Ein Tor besuchte einst den Schrein Katox‘ – Gott des Todes und der Krankheit. Er kniete sich vor diesem nieder und bat ihn, er möge ihm ein langes Leben schenken. Augenblicklich erschien Katox vor dem Tor. Dieser griff erschrocken an seine Brust. Nicht nur aus Furcht, sondern auch um sich sicher zu sein, dass er noch am Leben war.
„So so, betest zu mir und bist doch kerngesund. Verhöhnst das Leben, unwissender Tor.“
Der Tor versuchte sich zu erklären, doch Katox duldete es nicht: „Jetzt bringt dich deine Gier ins Reich der Toten.“
Der Tor klammerte sich an den Schrein des Gottes und wimmerte wie ein geschlagener Hund.
„Nun sag mir, wovor fürchtest du dich so? Doch nicht etwa des Schmerzens wegen? Ist er doch in einem Wimpernschlag vorbei. Ich kann dir versichern, er wird nicht schlimmer sein als ein Speer im Leib.“
Der Tor wagte es nicht zu sprechen.
„Sag mir nicht, dass es das Unbekannte ist, was du fürchtest. Dann müsstest du vor jeder Hausecke vor Angst zusammenbrechen. Weiß doch keiner, was der nächste Tag mit sich bringt.“
Der Tor wagte es nicht zu sprechen.
„Was bleibt uns noch, was bleibt uns bloß? Ein selbstsüchtiger Tor, wie du einer bist, hast wohl kaum Angst um Familie oder Freunde. Nein.“
Der Tor wagte es nicht zu sprechen.
„So wimmerst du um Wein, Bier und Heiterkeit? Bei meiner selbst, das kann nicht sein. So geh’n doch Freud und Leid seit jeher nie getrennte Wege.“
Der Tor wagte es nicht zu sprechen.
„Was bleibt uns noch, was bleibt uns bloß? So fürchtest du das Ende selbst? Hast Angst den letzten Gedanken zu erleben? Fürchtest dein Bewusstsein ganz zu verlieren? Dann nicke schnell, sonst hol ich dich.“
Der Tor nickte.
„So willst du nicht ins Reich der Toten? Willst ewig Denken und Erleben? Dann nicke schnell, sonst hol ich dich. Sonst bring ich dich ins Reich der Toten.“
Der Tor nickte.
„Nun denn, so wandle ewig hier auf Erden.“
Katox schnippte mit den Fingern und der Tor schied dahin.