Die Parabel von den zwei Wölfen

(Quelle unbekannt – etwas abgewandelt)

Eines Abends erzählte ein alter Cherokee seinem Enkel eine Geschichte am Lagerfeuer:

„Es gibt zwei Wölfe, die vom Anbeginn der Zeit miteinander kämpfen.

Der eine ist dunkel, voller Zorn, Neid und Gier. Er schürt Schmerz, Vorurteile und Lügen.

Der andere ist hell, voller Güte, Mitgefühl und Liebe. Er lässt Freude, Großzügigkeit und Hoffnung erblühen.“

Da wunderte sich der Enkel: „Und wer von beiden gewinnt am Ende?“

Da antwortete der alte Cherokee: „Derjenige, den du fütterst.“

Das Gleichnis des Lebens

Auch bekannt als das Gleichnis, das selbst die Götter überzeugte. Niemand weiß, ob es nur dafür ins Leben gerufen wurde oder um ein anderes Licht auf die Geschehnisse am Beginn der Zeit zu werfen.

Der Geist der Zeit existierte von Anbeginn. Doch er war nicht allmächtig. Er verlieh den Dingen lediglich Zeit. Wenn er eine Blume pflückte, verwelkten ihre Blüten augenblicklich. Streichelte er über einen Baum, verdorrte dieser. Einmal tanzte ein Schmetterling über seinem Schopf. Kaum hatte sich dieser auf den Kopf des Geistes niedergelassen, fiel er leblos zu Boden. Drum war es kein Wunder, dass der Geist von allen Zwerglingen und Tieren gefürchtet wurde. Kaum erblickten sie ihn, wurde er hinfort gejagt oder man floh Hals über Kopf. So streifte er unentwegt einsam durchs Land und fragte sich nach dem Sinn seiner Existenz, bis man ihn ganz vergessen hatte.

Eines Tages vernahm der Geist eine Stimme: „Wenn mir doch nur jemand helfen könnte.“
Er lugte hinter einem Zaun hervor und entdeckte eine kleine Hütte. Ein Heiler saß neben einem Bett und meinte: „Ich weiß auch nicht mehr weiter. Ich hab mein Bestes getan.“
Darauf sagte eine kränkliche Stimme: „Aber so geht es nicht weiter. Ich kann nicht auf ewig diese Qualen erleiden. Wo sind nur die Götter, wenn man sie braucht?“
„Vielleicht erbarmt sich Zion doch noch und heilt dich mit ihrer Magie. Oder Elfrik lässt uns seinen besonderen Wein zukommen, um die Schmerzen besser zu betäuben.“
„Bis jetzt hat mich niemand erhört. Ich will nur noch, dass es endet“, klagte der Kranke.
„Sollte tatsächlich jemand seine Hilfe benötigen?“, fragte sich der Geist. Selbstbewusst betrat er die Hütte.
„Zur Seite, Heiler! Ich bin genau der, den ihr sucht.“
Seine bleiche Erscheinung und sein forsches Auftreten ließen die zwei Zwerglinge kurz aufschrecken.
„Bist du… bist du ein Helfer der Götter?“, fragte der Heiler vorsichtig. Der Kranke hatte sich schnell wieder im Griff und sagte: „Wenn nicht, kannst du gleich wieder verschwinden. Bisher konnte mir niemand helfen.“
Da antwortete der Geist: „Ich kann dein Leiden beenden und dir ewigen Schlaf schenken.“
Während er dies sprach, berührte er den Efeu an der Hauswand und ließ ihn umgehend zu Staub zerfallen.
„So hat mich Zion doch erhört“, sagte der Kranke erfreut.
„Ich wurde von niemandem geschickt. Ich bin mein eigener Herr“, antwortete der Geist.
„Ohhh. Wenn das wirklich wahr ist, dann bitte. Bitte nimm meine Hand.“
Der Kranke streckte ihm erwartungsvoll die Hand entgegen. Der Geist schlug, ohne zu zögern, ein. Schlagartig fiel der Arm des Kranken auf die Decke. Seine Augen wurden leer und seine Atmung stoppte. Der Heiler machte große Augen und fiel auf die Knie.
„Bei den Göttern… oh du. Du hast vermocht, wozu niemand im Stande war; nicht einmal die Götter selbst. Wie soll ich dich preisen? Wie ist dein Name?“
„Das kann ich dir nicht sagen. Ich bin noch auf der Suche“, antwortete der Geist.

Es dauerte nicht lange, da traf der Geist auf zwei weitere gequälte Seelen. Ein magerer Bär und ein dürrer Hase krümmten sich vor Schmerzen unter einem kargen Baum.
„Oh könnte uns doch nur jemand von unseren Qualen erlösen“, jammerte der Bär und hielt sich den Bauch.
„Ich verstehe einfach nicht, warum Sibella uns im Winter derart peinigt? Ich kann auch nicht mehr“, meinte der Hase. Der Geist trat an die beiden heran und fragte: „Was fehlt euch denn? Vielleicht kann ich helfen?“
„Wenn dich Sibella geschickt hat, dann sicherlich. Hast du nahrhafte Früchte dabei?“, fragte der Bär.
„Ich wurde von niemandem geschickt. Ich bin mein eigener Herr“, antwortete der Geist.
„Dann sind wir verloren. Siehst du nicht, dass wir gerade verhungern?“, jammerte der Hase.
„Ich könnte eure Leiden endgültig beenden“, widersprach der Geist. Der Bär musterte den Geist genauer und fragte: „Oh oh, bist du etwa dieser Geist, der Zwerglingen das Leben nehmen kann?“
„Wenn du das wirklich kannst, nur zu. So will ich nicht mehr leben“, klagte der Hase.
„Da hast du recht, Hase“, stimmte der Bär zu und bat den Geist: „Bitte lieber Geist, erlös uns von unserer Qual.“
„Euch beide? Das könnte ich wohl. Ich habe aber eine bessere Idee“, meinte der Geist. Er hob seine Hand und schritt auf die beiden zu. Dann tippte er kurz an die Stirn des Hasen. Augenblicklich fielen dessen Augen zu. Der Geist wandte sich darauf dem Bären zu und sagte: „Und nun mein guter Bär, iss und nähre dich. Denn Leben ist kostbar.“
„Guter Geist, wie soll ich dich preisen, wie ist dein Name?“, fragte der Bär.
„Das kann ich dir nicht sagen. Ich bin noch auf der Suche“, antwortete der Geist.

Die Taten des hilfreichen Geistes sprachen sich schnell herum; so auch bei den Tieren des Waldes. Als sie davon erfuhren, schöpften sie neue Hoffnung. Möglicherweise könnte er ihr Dilemma lösen. Und so wurde das erste Mal direkt nach dem Geist gerufen. Vögel schwärmten aus und fragten jedes Tier und jeden Zwergling, ob sie ihn gesehen hatten.
Nach wenigen Tagen traf der Geist auf eine Schwalbe, die ihn direkt um Hilfe bat. Er war über das Vertrauen der Tiere so erfreut, dass er der Schwalbe sogleich zusagte. Daraufhin folgte er ihr über Stock und Stein – an einer weiten Weide entlang – bis zu einem kleinen blühenden Hain. Unter den Baumkronen säumten Rehe, Wildschweine, Hasen, Bären und viele andere Tiere das Gras. Ein Hirsch mit prächtigem Geweih trat hervor und sprach: „Oh gutmütiger Geist. Wir haben deine Hilfe erbeten, da wir uns nicht mehr zu helfen wissen. Die Weiden und Wälder werden immer lichter. Man findet kaum noch Beeren oder Früchte. Immer häufiger werden unsere Bauten und Unterschlüpfe zerstört oder wir sind gezwungen, sie zu verlassen. Die Zwerglinge breiten sich indes ungezügelt weiter aus.“
Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: „Wir können unsere Kinder kaum noch versorgen und uns selbst erst recht nicht mehr. Kannst du uns nicht helfen? Du vermagst doch Zwerglingen das Leben zu nehmen? Wir würden auch alles tun, was du im Gegenzug verlangst.“
Der Geist überlegte kurz und sagte dann: „Mhm, das ist aber eine vermessene Bitte. Sollte ich mir nicht vorher anhören, was die Zwerglinge dazu zu sagen haben?“
„Wie du magst, aber sie werden dich sicher belügen. Das ist in ihrer Natur. Sie halten sich für Sibellas Kinder und alles andere ist für sie nichts Wert“, antwortete der stattliche Hirsch. Die Tiere des Waldes stimmten darauf ein:
„Genau, das sind alles Lügner“, meinte die Schlange.
„Bösartige Nesträuber“, schimpfte der Uhu.
„Und ungehobelte Schläger“, meinte das Schwein.
„Wir werden sehen“, sagte der Geist und verabschiedete sich.

Ohne Umschweife begab sich der Geist zur Hauptstadt der Zwerglinge und bat um eine Audienz beim König. Auch hier hatte man bereits von ihm gehört. Drum gewährte man ihm seine Bitte und führte ihn direkt zum Palast des Königs. In einem eindrucksvollen Thronsaal wurde der Ankömmling vom König höchstpersönlich empfangen. Ohne Kniefall oder königliche Begrüßung trug der Geist sogleich die Anschuldigungen der Tiere vor. Der König antwortete darauf mit ruhiger Stimme: „Wir wissen uns auch keinen Rat mehr. Die Ernten fallen von Jahr zu Jahr schlechter aus. Das Feuerholz wird jeden Winter knapper. Und Tiere berauben uns immer häufiger unserer Vorräte. Unsere Kinder müssen jeden Winter hungern. Es ist eine Qual.“
Er machte eine kurze Pause, dann fuhr er energischer fort: „Wir müssen neue Ländereien ergründen. Wir haben gar keine andere Wahl. Wenn du uns dafür verachtest, bist du genauso heuchlerisch wie die Tiere. Sie halten sich für Sibellas höchste Schöpfung, weil sie zuerst in diese Welt kamen.“
„Euch ist also bewusst, was ihr tut?“, fragte der Geist rhetorisch.
Der König antwortete nicht.
„Das ist wahrlich ein Dilemma“, fügte der Geist hinzu. „Aber was wenn… würdet Ihr wirklich alles für eure Kinder tun?“
Der König lehnte sich vor und antwortete: „Natürlich würden wir das!“
„Gut“, sagte der Geist. Im nächsten Moment sprang er zum Thron und tippte dem König an die Stirn. Geräuschlos sank dieser in seinen samtenen Sitz zurück.
„Er hat dem König das Leben gestohlen!“, schrie eine der Wachen von der Seite und stürmte auf den Geist zu. Dieser hob vorsorglich seine Hand. Unbeeindruckt versuchte ihn die Wache mit ihrer Hellebarde niederzustrecken. Doch sobald die Klinge die Hand des Geistes berührte, zerstieb das Metall zu rötlichem Staub. Jetzt erst wurde den Wachen bewusst, wem sie da gegenüberstanden. Angsterfüllt ließen sie ihre Waffen fallen und flüchteten kopflos davon.

Danach suchte der Geist jeden älteren Zwergling heim und nahm ihm das Leben. Anschließend kehrte er zum Hain der Tiere zurück.
„Du hast es also getan?“, fragte der prächtige Hirsch.
„Die Zwerglinge werden euch keine Probleme mehr bereiten“, antwortete der Geist. Die Tiere jubelten.
„Du bist wahrlich…“, begann der Hirsch, wurde aber sofort vom Geist unterbrochen: „Damit ist es aber nicht getan. Ihr meintet schließlich, ihr würdet alles im Gegenzug tun?“
„Natürlich, oh mächtiger Geist“, sagte der Hirsch.
„Dann legt euch darnieder. Ihr werdet die nächsten sein.“
„Aber… aber so war das nicht ausgehandelt“, schnaubte der Hirsch und scharrte mit den Hufen.
„Wolltet ihr nicht alles tun?“, fragte der Geist.
„Aber die Zwerglinge sind doch…“
„Oh nein, kleiner Hirsch. Nicht die Zwerglinge sind Schuld, sondern das Leben selbst. Das endlose Leben ist das Übel dieser Welt. Es breitet sich unkontrolliert aus und vermaledeit alles, was es berührt, sogar sich selbst. Wenn du das Leben wirklich schützen willst, braucht es ein Ende.“
Da verstand der Hirsch, welchen Handel er eingegangen war. Er kniete sich nieder und sagte: „Wie sollen wir dich preisen, wie ist dein Name?“
„Das kann ich dir sagen. Denn meine Suche endet hier…“, antwortete der Geist. Denn endlich hatte er seine Bestimmung gefunden; als Gott des Todes.

Die perfekte Geschichte

„Ist es nicht erst dann perfekt, wenn es nicht komplett perfekt ist? Oder beruhigen sich so nur die Unbegabten?“, grübelte der alte Mann an seinem Schreibtisch und strich sich gedankenversunken durch seinen grauen Bart. Überall lagen Papierschnipsel mit unfertigen Texten verstreut. Mit einem Mal schlug die Haustür auf und eine ältere Dame betrat die Hütte.
„Ach, hier treibst du dich also die ganze Zeit herum“, begrüßte sie ihn forsch.
„Du kommst gerade ungelegen. Ich hab viel zu viel zu tun“, antwortete er, ohne sich umzudrehen.
„Ich hab dich draußen schon ewig nicht mehr gesehen“, meinte sie und näherte sich dem Schreibtisch. Argwöhnisch beäugte sie den überfüllten Arbeitsplatz und fragte: „Was ist denn so wichtig, dass du nicht einmal mehr deine alte Freundin besuchen kommst?“
Er blickte zu ihr auf und sagte: „Ich habe beschlossen, die perfekte Geschichte zu schreiben.“
„Ist das dein ernst? Nimmst du dir da nicht etwas zu viel vor?“, meinte sie belustigt.
„Zweifelst du etwa an meinen Fähigkeiten?“, fragte er streng.
„Oh nein, das nicht. Aber kann es überhaupt etwas Perfektes geben? Treten dabei nicht unweigerlich Paradoxien auf?“
„Das gilt es zu widerlegen. Und ich bin bereit, mich dieser Herausforderung zu stellen.“
„Na dann wünsch ich dir viel Glück dabei. Übertreib es bloß nicht“, sagte sie.
„Ja ja“, meinte er. „Keine Sorge, ich lass mich bald mal wieder sehen. Bis dahin.“
„Na gut, alter Griesgram“, sagte sie und verließ die Hütte wieder.

Doch wie sie bereits geahnt hatte, ließ er sich nicht blicken. Viel lieber schlug er sich unzählige Nächte um die Ohren, um weiter an seiner perfekten Geschichte zu arbeiten. Einige Wochen später, als sie des Wartens müde geworden war, kam die ältere Dame wieder vorbei.
„Hab ich mir’s doch gedacht, dass du dich nicht blicken lässt“, begrüßte sie ihn. Er antwortete nicht. Sie schaute zum Schreibtisch hinüber und entdeckte ihn mit dem Kopf, in seinen Armen eingebettet, auf dem Tisch liegen.
„Hat er sich wohl doch mal etwas Ruhe gegönnt?“, fragte sie sich.
Während sie noch überlegte, ob sie ihn wecken sollte, sagte plötzlich eine Stimme: „Ich hab schon mehr als die Hälfte geschafft.“
Sie fasste sich vor Schreck an die Brust.
„Meine Güte hast du mich erschrocken. Ich dachte, du schläfst.“
Er hob seinen Kopf und begann: „Seit wann…“
„Egal… arbeitest du wirklich immer noch an diesem perfekten Geschreibsel?“, fragte sie.
„Jaha, und es fehlt gar nicht mehr viel“, antwortete er. Sie schaute ihn skeptisch an und meinte: „Du kennst aber schon das Paretoprinzip? Dass 80% der Arbeit leicht von der Hand gehen und 20% der Arbeit 80% Aufwand mit sich bringen?“
„Natürlich, ich hab das schließlich erfunden“, sagte er und lachte.
„Ahja, dann schon mal danke dafür. Das ist nämlich echt nervig“, beschwerte sie sich. Daraufhin meinte er: „Alles hat seinen Platz und seine Berechtigung. Wenn es nicht so wäre, wie es ist, wäre es doch ganz schön unterkomplex und wahnsinnig langweilig.“
„Gerade deshalb solltest du am besten wissen, dass nicht immer alles perfekt sein muss“, konterte sie. Der Alte stand auf und machte eine ausladende Geste.
„Unperfektes gibt es wie Sterne im Universum. Wenn du etwas schaffen willst, das aus all dem heraussticht, muss es heller erstrahlen als der hellste Stern.“
Sie winkte ab und meinte: „Na Hauptsache du wirst irgendwann fertig.“
„Du wirst schon sehen. Es wird selbst dir die Sprache verschlagen“, sagte er und lächelte verschmitzt.
„Solange danach wieder alles wie immer wird, soll’s mir recht sein“, meinte sie und verdrehte die Augen.

Viele Wochen später bekam er erneut Besuch von seiner alten Freundin. Diesmal betrat sie die Hütte jedoch in einer erschütterten Eile, als wäre sie vor dem Teufel höchstpersönlich auf der Flucht.
„Sie kommen, sie kommen! Die Engel kommen!“, rief sie. Der Alte saß wie üblich an seinem Schreibtisch. Er drehte sich zu ihr und fragte ungläubig: „Die Dunklen? Die kommen doch sonst nur alle zehn Brahma-Jahre.“
Sie zeigte nach draußen und fragte: „Und, willst du sie nicht sehen?“
„Nein, ich hab Besseres zu tun. Ich bin nämlich kurz davor, mein Werk zu vollenden.“
„Aber, die Engel… die kannst du dir doch nicht entgehen lassen.“
„Beim nächsten Mal, mit Sicherheit“, sagte er und wandte sich ab.
Plötzlich klopfte es. Ein Engel mit dunklen Flügeln stand in der offenen Tür. Der Alte sprang erschrocken auf. Seine Freundin wich ehrfürchtig zur Wand zurück.
„Was wollt ihr hier?“, fragte der Alte harsch. Der Engel betrat die Hütte und antwortete: „Mein Herr, wir sind gekommen, um Sie abzuholen. Um Sie ins nächste Reich zu führen.“
„Das… das kann nicht sein. Ich bin hier noch nicht fertig“, sagte er entsetzt. Der Engel fuhr fort: „Es tut mir leid, doch so ist es. Und Sie werden…“
Da bäumte sich der Alte auf und schrie mit einer gottgleichen, bodenerzitternden Stimme: „ICH LASS MIR GAR NICHTS BEFEHLEN! ICH BIN SCHLIEẞLICH DAS ALPHA UND OMEGA!“
„Mein Herr, dessen sind wir uns bewusst. Doch jedes Wesen unterliegt Samsara – dem natürlichen Lauf des Wandels; auch Ihr“, versuchte ihn der Engel zu beschwichtigen.
„Ich…“, begann er.
„Ihr, der Ihr doch nahezu allwissend seid, seid Euch dem sicher bewusst“, fügte der Engel hinzu.
„Ja aber… aber ich bin noch nicht fertig“, sagte der Alte mit zittriger Stimme.
„Daran können wir nichts ändern. Dies lag stets nur in Eurer Hand.“
„Aber, es fehlt nicht mehr viel. Ich brauche nur etwas mehr Zeit“, versuchte er zu verhandeln.
„Als könnten wir den Fluss der Zeit verändern. Dies obliegt allein Samsara“, erwiderte der Engel.
„Wenn ich sie nicht fertigstelle, dann…“, begann der Alte und schaute zu seiner alten Freundin. Sie schaute traurig zurück und sagte: „Es tut mir leid, aber du weißt, ich bin nicht für deine Sphären verantwortlich.“
„Es ist Zeit. Kommt, mein Herr“, sagte der Engel und streckte ihm die Hand entgegen. Der Alte zögerte.
„Dann kann ich nur beten, dass es sich von selbst zum Guten vollendet.“
Er faltete seine Hände zusammen und schloss kurz die Augen. Eine Träne huschte über sein Gesicht.
„Nun gut, meine alte Freundin. Auf kein so baldiges Wiedersehen“, sagte er und nahm die Hand des Engels. Augenblicklich transzendierte der Engel mitsamt dem Alten in einem hellen Lichtblitz davon.

Mr. Paradox

Er wollte kurz aus dem Haus
Drum zog er seine Hose aus

Er gendert gern
Und schaut dennoch GNTM

Wenn er seine Freunde trifft
Schließt er sich mit Handy ein und kifft

Er wollte die aktuelle Klimapolitik boykottieren
Drum flog er nach Berlin, um bei FFF mitzudemonstrieren

Er möchte sich einmal entspannen
Versucht deshalb beim Rogue-Like alle Achievements zu erlangen

Er kämpft auf Twitter gegen Rassismus
Und kauft dann trotzdem einen N****kuss

Er wollte etwas Speck verlieren
Drum ließ er sich nach dem Gym eine Eispyramide servieren

Er liebt seinen Hund ganz ohne Verstand
Isst trotzdem Schwein aus Kastenstand

Er schreit auf Arbeit ungeniert
Und wird im Bett gern dominiert

Entdeckst du dich hierbei?
Don’t panic, das ist Einerlei

Denn niemand kann ein Engel sein
Niemand predigt Wasser und trinkt kein Wein

Ein Ideal ist nicht zum Leben da
Es ist zum Träumen, Streben ganz und gar